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Altorfers Splitter 18.5.2020


Kari, coronamüde: «Man rühme nicht als Sittlichkeit den Mangel an Gelegenheit. Hat nichts mit Corona zu tun und ist überhaupt nicht neu, darf aber mal wieder zitiert werden.»

Die Freiheit des einen endet bei der Freiheit des andern. Keine neue Erkenntnis. Onkel Hugo, der pensionierte Bauunternehmer und wirklich kein Weichei, ist da unerbittlich. Wer meint, mit seinem gepimpten Golf oder BMW mit 120 km/h durch die 50-er-Zone rasen zu müssen, verliert – hoffentlich – Führerausweis, sein Auto und ziemlich viel Geld. Richtig so, denn er gefährdet damit nicht nur die Freiheit, sondern möglicherweise das Leben von Mitmenschen. Wer ohne Abstand und Maske gegen Corona-Massnahmen demonstriert, verliert dummerweise gar nichts. Obschon auch er (oder sie) das Leben von Mitmenschen gefährdet. Indem er tendenziell dazu beiträgt, eine möglicherweise tödliche Infektion zu verbreiten. Den Unterschied zwischen Raser und Maskenverweigerer immer noch nicht kapiert? fragt Hugo und gibt gleich die Antwort: Es gibt keinen. So ist er halt, der Onkel Hugo, gut genährt, mit hohem Blutdruck, Ex-Raucher und einem guten Glas Wein nicht abgeneigt – kurz, ein ganz normaler 75-Jähriger mit der Aussicht, busper 90 zu werden.

Schweden geht einen andern Weg in der Corona-Krise, heisst es. Das stimmt natürlich nur bedingt. Es gibt Reisebeschränkungen, Distanzgebote, Quarantäne, Lockdown light und Ängste wie bei uns. Und auch die Wirtschaft steht keine Öre besser da als im Rest Europas. Vieles ist ähnlich wie bei uns jetzt (allerdings zum Preis von doppelt so vielen Toten plus zahlreichen Verstorbenen in Altenheimen, die gar nie auf Corona getestet wurden und deswegen nicht in die Statistik einfliessen). Aber Achtung, immerhin: Schweden hat das (angeblich) einzige coronasichere Restaurant der Welt. In Ransäter in Värmland haben Linda Karlsson und Rasmus Persson ein todsicheres Angebot. Mitten auf einer Wiese steht ein Tisch mit einem einzigen Stuhl für gerade mal einen Gast pro Tag. Das Essen schwebt über eine Leine in einem Korb zum Gast, bezahlt wird per Handy, und sechs Stunden nach dem Essen desinfizieren die Gastgeber den Platz und das Geschirr gleich zweimal. Das Angebot nennt sich «Bord för en» («Tisch für einen»). Wie sehr es genutzt wird, war nicht zu erfahren. Herr Tegnell, der schwedische Staatsepidemiologe jedenfalls wird kaum dort speisen.

Die Älteren unter Ihnen (die sich möglicherweise immer noch in Selbstquarantäne befinden) sind höchstwahrscheinlich aufgewachsen mit deutschen Fernsehsendern und dabei sicher mit dem Dreamteam des Süddeutschen Rundfunks (heute Südwestrundfunk SWR): dem «Pferdle» und dem «Äffle». Es gibt beide noch, wie folgende Konversation beweist. Pferdle: «Woisch du, wos Schutzmaske uff Schwäbisch hoisst?» – Äffle: «Ha noi.» – Pferdle: «Maultäschle!»

Ja, es gibt sie, die Verschwörungstheorien und die Verschwörungstheoretiker. Zu Hauf sogar – jedenfalls wenn man sie sucht und finden will. Zum Glück gibt es aber auch die Warner vor ihnen – und man kann tatsächlich nicht genug warnen. Wenn allerdings die Warner – ein Teil von ihnen jedenfalls – dieselben Methoden anwenden und nach dem gleichen Muster vorgehen wie die Verschwörungstheoretiker selber, dann wird’s peinlich. Oder schlimmer. Denn die Warner transportieren zusätzlich etwas mindestens doppelt so Gefährliches: moralische Überheblichkeit. Von unidentifizierbaren Gefahren faseln, politische Ziele, kriegerische Konzepte und untergründige Aktivitäten andeuten, ohne konkrete Hinweise zu liefern, geheime Bünde suggerieren, Unzusammenhängendes tendenziös miteinander in Verbindung bringen, Netzwerke vermuten, total Irre und rational Böswillige in einen Topf werfen, politisch Linke, Rechte, Islamisten, Ökofaschisten, Antisemiten, Antikapitalisten, Autonome, Impfgegner mit Nanopartikelpanik, Alien-Gläubige, G5-Phobiker, Esoteriker und kritische Medienmacher in einem Atemzug und ohne Unterscheidung von Zielen, geistigem Zustand und Methoden als «Verschwörungstheoretiker» zu brandmarken, bedeutet, keinen Deut besser zu sein als die (oft zurecht, aber ebenso oft eben fälschlicherweise) Verdächtigten. Anders gesagt: So richtig lustig wird’s tatsächlich, wenn Verschwörungstheoretiker Verschwörungstheoretiker zu enttarnen versuchen. Lustig? Ja, doch, vorderhand schon noch, solange die überwiegende Mehrheit der Leute weder auf die einen noch auf die andern hereinfällt.

Und natürlich ist’s die frivole Gisela, die nicht ohne Sarkasmus auskommt: Was ist die Schweiz doch für eine erbärmliche Diktatur! Sie schafft es nicht einmal, bei verbotenen Demonstrationen von Hunderten Personen gegen die bundesdiktatorischen Lockdown-Massnahmen minimale Abstands- und Hygieneregeln durchzusetzen.

Nochmals etwas Coronafreies: ein erhellender Kommentar eines Dominikanerpaters nach einer Begegnung mit … (nein, anstandshalber sei der Name der Dame hier nicht genannt): «Ich muss Ihnen sagen, die Frau wirkt auf mich hochgradig zölibatverstärkend.»

Zwischen «Corona ist ein Instrument der Regierung, um uns Angst zu machen; ich bestehe auf meine Freiheit!» und «Wir müssen uns vor Corona angemessen schützen!» liegt manchmal nur ein Todesfall in der Familie.

Der dumme Spruch am Ende: Schlaue Leute suchen Lösungen, dumme Leute suchen Schuldige.

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