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Altorfers Splitter – 30.11.2020


Kari, übermüdet: Der Gläubige sagt ja. Der Ungläubige sagt nein. Der Agnostiker sagt: Hhmm, kann sein, kann auch nicht sein.


Wer keinen Hunger mehr hat, ist satt. Was aber ist jemand, der keinen Durst mehr hat? Es gibt erstaunlicherweise im Deutschen kein Wort für «nicht mehr durstig». 1999 hatte der Duden zusammen mit Lipton (für Tee bekannt) einen Wettbewerb gestartet: gewinnen sollte derjenige, der den besten Ausdruck für «keinen Durst mehr haben» fände. 45'000 Vorschläge wurden eingesandt, z.B. «sitt» (40-mal), aber auch «gecoked», «nimedu», «börps» oder «soff». Gewonnen hat «sitt», aber leider hat sich keines dieser Kunstworte je durchgesetzt. Offenbar haben die Nordländer mehr Sinn für den von uns nicht benennbaren Zustand. «Undurstig» heisst etwa in Norwegen «utørst» und bei den Färöern «òtystur».


Tag für Tag sterben in der Schweiz rund 100 Personen an Corona. Die Hälfte von ihnen in Altersheimen, ohne Remdesivir oder Regeneron. In Deutschland sind’s ein paar hundert, in den USA bis zu zweitausend, in Indien … ach, wer weiss das schon. Kümmert’s jemanden? Die Angehörigen vielleicht. Oder die Anzeigenabteilungen der Zeitungsverlage. Sie waren ja alt, die Verstorbenen. Oder krank. Und deshalb etwas weniger des Betrauerns wert. Nein, stimmt nicht? Doch, stimmt! Corona beweist, dass Menschen unterschiedlich viel wert sind. Nichts Neues, das war schon immer so. Aber Corona zeigt es auf. Um das Weihnachtsgeschäft nicht völlig dahin fallen zu lassen, und auch nicht die familiären Weihnachtsfeiern, nimmt man – ungern, aber pragmatisch – in Kauf, dass einige Weihnachten nicht erleben. Es ist wie sie ist, unsere Gesellschaft.


Das mit den «alten weissen Männern» ist so: «Weiss» ist für Anti-Rassisten keine Hautfarbe, sondern (echtes Zitat!) eine «politische Kategorie, die mit Macht- und Herrschaftsstrukturen einhergeht». Capito? (Ob «alt» alt bedeutet und «Männer» Männer oder beides einfach etwas Unappetitliches bezeichnet, wäre zu untersuchen, aber bei «weiss» weiss man’s.) Die verschwurbelte Umschreibung von «weiss» = «rassistisch» will nichts anderes sagen, als dass nur Weisse – jedenfalls sofern männlich und alt – «weiss» sein können oder schlimmer, dass alle hautfarben Weissen «weiss» sind. Dass es also keine schwarzen oder braunen Rassisten gibt, und letztlich auch keine Weissen, die nicht rassistisch sind. Wunderbar einfaches, ungemein bequemes antirassistisches, antiimperialistisches, antifaschistisches, feministisches, antikapitalistisches Denken, das auch das Bemitleiden, Beurteilen, Reden und Bestrafen von «Weissen» und Nichtweissen ungemein erleichtert.


Ein unbequemer Satz (gelesen): Wir sind überbevölkert, unterversorgt und überfressen.


Schon die alten Römer wussten: Was immer du tust, tue es klug und beachte das Ende! (Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.) Doch leider: Klug daher zu reden, ohne auch so zu handeln – das überlebten nicht mal die Römer.


Der dumme Spruch am Ende: Nichts ist transparenter als eine durchschaubare Lüge.

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