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Altorfers Splitter 9

25. Mai 2020


Kari, auf krisenresistent gebürstet: Wir müssen die Gürtel enger schnallen – die Gürtel der andern. Und wir müssen verzichten lehren. Wichtig: lehren, nicht lernen.

Es ist eine merkwürdige, leicht perverse, wenn auch irgendwie verständliche Lust, die über die sozialen Medien (und vermutlich auch über ganz normale Promi-Magazine) befriedigt wird. Kaum kündigt eine Fotoserie an, die Schönen dieser Welt in ihrem Alltags-Outfit zu zeigen, klicken die Finger auf «Weiter». Madonna, Adele, Miley Cyrus, Pink, Kate Winslet, Céline Dion, Meryl Streep, ja sogar die Schönsten der Schönen: Julia Roberts, Scarlet Johansson, sie alle sehen ohne Make-up und in unvorteilhafter Pose so arg durchschnittlich, ja manchmal so unansehnlich aus, dass sie uns fast leid tun. Mitleid mit entlarvten Schönheiten – tut zur rechten Zeit eben manchem und mancher gut. Oder sehen Sie’s so: niemand ist wirklich schöner als Ihre Frau bzw ihr Mann! (Wow!)

I’m dreaming of a world where chickens can cross the road without having their motives questioned (es gibt übrigens eine Facebook-Gruppe gleichen Namens!)

TikTok kennen Sie, oder? Nein? Noch nie gehört? TikTok, das chinesische Videoportal, 2016 gegründet. Es gehört einem chinesischen Investor und ist einer der Instagram-Nachfolger (Instagram = «Facebook für Junge»). Noch dominieren zwar Facebook, Instagram, Twitter, Snapchat (und Whatsapp sowieso), aber TikTok ist inzwischen das am schnellsten wachsende soziale Medium der Welt. Nicht nur in China. Die Zahl der App-Downloads hat inzwischen die 2-Milliarden-Grenze überschritten. Längst ist es auch auf Millionen europäischer Smartphones installiert. Das Lustige daran: Wir hier in Kerneuropa machen uns Sorgen über eine Corona-Tracing-App, die feststellen kann, ob wir uns mehr als 10 Minuten in der Nähe eines mit SARS-CoV-2 Infizierten aufgehalten haben. Das wäre nützlich, total anonym und täte nicht weh. Und stösst trotzdem auf Misstrauen. Dabei realisieren wir nicht, dass der chinesische TikTok-Investor längst in unseren Kinderzimmern hockt und ungehindert und unbelästigt vom Bedürfnis nach Datenschutz Unmengen an Daten sammelt über die kids und ihre Eltern auf der ganzen Welt.

Diskriminierung sei ganz normal, meint Onkel Hugo – aus Erfahrung, wie er, mit schütter gewordenem Haar, hinzufügt: Der Hamster, der gerne als Gazelle unterwegs wäre, hat keine Wahl. Und klar kann man Mitleid haben mit allen Giraffen, die von einem Leben als Delphine träumen. Aber man kann ihnen nicht helfen.

Antirassisten brauchen zum Nachweis ihrer Daseinsberechtigung Rassismus. Und weil es davon bei uns erfreulich wenig gibt, müssen sie ihn halt da erfinden oder aufspüren, wo niemand sonst auf eine Rassismus-Idee verfällt. Beispiel: Der Keksehersteller Bahlsen produziert und verkauft seit 60 Jahren mit schwarzer Schokolade überzogene Kekse, und seit 60 Jahren heissen sie «Afrika». Das brachte einige der Selbstgerechten auf die Palme (darf man das sagen?). Sie haben erreicht, dass Bahlsen sich den (vermutlich 0,01%) soziomedial Aufgebrachten gebeugt, sich entschuldigt und entschieden hat, den Namen der Kekse zu ändern. Der neue Name steht noch nicht fest. Wie wärs mit «Antirassistisches, antikolonialistisches, solidarisches Gerechtigkeitsgebäck mit fairem Schokoladeüberzug»?

Eine gute Freundin von ennet der Grenze, politisch nur schwer einzuordnen, sinniert über ihre Landsleute: Wären die Deutschen rational denkende und handelnde Leute, meint sie, käme die CDU auf rund 7 und die SP auf knapp über 6 Prozent der Stimmen. Was die restlichen 87 Prozent wählen würden? Null Ahnung. Aber das wüssten die ja auch nicht – und deshalb wählten sie am Ende doch das Alte, in der Hoffnung, es werde schon nichts zu heiss gegessen. Natürlich gebe es da ein paar Verzweiflungsparteien wie FDP, Linke und AfD (bei den Grünen könne man von Verzweiflung nicht mehr sprechen, eher von Flagellantentum), aber mehr als je 4 Prozent hätten die alle nicht verdient. Also, wenn die Deutschen rationale Leute wären, würden rund 70 Prozent von ihnen statt wählen gut essen gehen, einen Film anschauen oder resigniert im Bett liegen bleiben. Tun sie aber nicht. Was irgendwie doch für ihr demokratisches Verständnis spreche; offenbar ahnten sie: alle vier Jahre die Falschen wählen ist besser als gar nicht wählen.

Der dumme Spruch am Ende: Ignoranz ist die Summe aller Massnahmen, die man ergreift, um bestehende Tatsachen nicht sehen zu müssen.

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