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Noch schnell was zu Trump …


bevor er Geschichte ist. Seine Abwahl – mit Sicherheit ein Verlust für Karikaturisten und Moralisten.


«Er ist wieder da» – Sie kennen das Buch, oder? Die Wirklichkeit, so der Eindruck, wenn man sich auf Facebook tummelt, ist noch viel schlimmer. Donald Trump ist – nicht mehr infektiös, sondern purlimunter, wie’s scheint (dank Dexamethason?) – «wieder da», zurück im Weissen Haus und im Wahlkampf. Das Schlimmste, was sich die Trump-Hater vorstellen konnten, die doch inniglichst gehofft hatten, das Corona-Virus würde den Neurotiker endlich bodigen. Vergeblich. Nicht mal Sars-CoV 2 hat’s geschafft, das präsidiale Lästermaul und die Trumpschen Tweets zum Verstummen zu bringen. Trump, so befürchten mittlerweile selbst die grössten Optimisten (oder Pessimisten, wie’s beliebt), wird uns womöglich doch noch weitere vier Jahre erhalten bleiben. Keine Angst, es wird schon nicht passieren. Die einzigen, denen man Trumps Wiederwahl mit einer gewissen, politisch selbstverständlich völlig unkorrekten und deswegen eigentlich gar nicht offen zu bekennenden, Häme gönnen würde, sind die deutschen Mainstream-Journalisten, die alles besser wissen, besser können und sich nie irren. Obschon es auch spannend zu beobachten sein wird, wie sie nach vier Jahren des hypermoralisierenden Amerika-Bashings mit dem hochgelobten Joe Biden («Sleepy Joe») umgehen werden, der sicher sehr viel anständiger und empathischer, letztlich aber genau so «amerikanisch» regieren wird wie fast alle Präsidenten vor ihm. Oder gar mit Frau Harris, Bidens Vizepräsidentin, die vermutlich dereinst die Präsidentschaft erben wird. Wird sie sich mit ihren vier grossen Trümpfen – weiblich, jung, nichtweiss, Trump-Kritikerin – mehr erlauben können in Sachen «America first» als «The Donald»?


In den USA wird weiterhin um die Ernennung eines Bundesrichters bzw. einer Bundesrichterin gestritten. Trump möchte möglichst rasch noch eine konservative Juristin ernennen. Die Demokraten hoffen auf einen Sieg Bidens und möchten die Ernennung deshalb aufschieben bis nach der Wahl. Leider muss man den Demokraten sagen: dumm gelaufen! Bis 2013 brauchte es für die Ernennung hoher Richter für den Supreme-Court und andere Positionen nämlich eine qualifizierte Mehrheit. Wäre das heute noch so, könnte Trump niemanden ohne Zustimmung von Demokraten ins höchste Richteramt berufen. Aber ausgerechnet Barack Obama hatte 2013 diese wohlbedachte Regel gekippt, weil er unbedingt eine Person seiner Wahl für ein hohes Amt durchdrücken wollte. Er änderte trotz Warnung die Regeln ­– zu seinen und seiner protegierten Kandidatin Gunsten. Und genau das fällt den Demokraten jetzt auf die Füsse. Sie entschieden nämlich 2013, dass für die Wahl von Richtern auch ins höchste Amt die einfache Mehrheit genügt und man sich nicht auf einen Kandidaten einigen bzw. eine qualifizierte Mehrheit erreichen muss. Trump tut jetzt einfach nur das, was Obama aus Eigennutz eingeführt hatte. Wie heisst es? Man bedenke die Folgen dessen, was man tut.


Die Eliten in Medien, Politik, Sozialwissenschaften, NGOs kommen fast alle aus einem städtisch-kosmopolitischen Milieu. Viele «normale» Bürger fühlen sich von ihnen nicht repräsentiert, zumal ihre Anliegen vom «Juste Milieu» nicht nur missachtet, sondern auch noch moralisch abqualifiziert werden. Politisch reagieren die dergestalt Verachteten mit Kampf gegen Globalismus, gegen Multikulturalismus, gegen die Aufhebung des Nationalstaates und den Verlust von «Heimat», was immer Unterschiedliches (Traditionen, Kirche, Kultur, Dorfplatz, Sprache, Partei, Arbeitsplatz, Natur) die als «Populisten» Gebrandmarkten darunter auch verstehen mögen. Die von eingebildeten Eliten so Behandelten landen – bestes Beispiel: die USA – rasch bei den Anti-Eliten. Bei Trump eben, der in dieser Hinsicht ganz einer der ihren ist, ein zwar Reicher, aber vom Establishment Verschmähter, politisch, sozial und intellektuell gemieden, ein Outlaw, von der hochmütigen Elite abschätzig und herablassend zur Beleidigung freigegeben. Genau dafür rächt er sich. Indem er ungeniert lügt. Lügen sind seine Waffen. Und die vom Establishment Geringgeschätzten freuen sich darüber.


Wenn der hundertfünfzigste Redner den Zuhörern und der fünftausendste Schreiber seinen Lesern bestätigt hat, dass Donald Trump ein unfähiger, ja, der unfähigste und empathieloseste Präsident sei, den die USA je hatten und dass er diesen USA nur schade, dann mögen sie alle recht haben, aber … es hilft alles nichts, solange nicht mindestens einer der 5150 Allemalklugen erklären kann, weshalb er denn trotzdem von einer Mehrheit gewählt wurde. (Wenn auch vermutlich nicht wieder wird.)


Joe Biden hat taktisch klug eine «Schwarze» zu seiner (potenziellen) Vizepräsidentin erkoren. Musste er wohl. Erstens von wegen schlechtem Gewissen der Weissen gegenüber den Schwarzen (die man heute korrekterweise, man weiss es nicht so genau, «Afro-Amerikaner» nennen sollte), zweitens weil Anti-Trump immer auch Pro-Frau bedeutet (oder umgekehrt) und drittens, weil Kamala Harris von den Wahlstrategen als «Anwältin für die Armen» verkauft werden kann. Dumm nur – aber für deutsche Medien völlig egal: Frau Harris ist nicht schwarz und schon gar keine Afro-Amerikanerin. Ihre Wurzeln hat sie in Indien und Jamaika. Sie hat eine steile Karriere gemacht (als Anwältin wie als Politikerin), ist Senatorin im Staat der Schönen und Reichen (California) und längst Teil des «Establishments». OK, vielleicht hat sie ein paar Charity-Empfänge mehr organisiert als andere. Sie wird wohl (Biden ist immerhin 78 Jahre alt und bereits leicht datterig) die nächste Präsidentin der USA. Keine schlechte Aussicht, im Gegenteil, peinlich ist nur, sie als etwas zu «verkaufen», das sie mitnichten ist.

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